Von Lisa Grinschgl und Judith Huber

Mit einer Fläche von 0,84 km² und 5.718 Einwohner_innen ist Valletta nicht nur die kleinste Bundeshauptstadt sondern vermutlich auch die kleinste Kulturhauptstadt Europas. Ein vermeintlicher Grund, warum sich Valletta den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt 2018 mit dem niederländischen Leeuwarden teilt.
Bei Tourist_innen ist Malta vor allem für schöne Küstenlandschaften, mediterranes Klima und Sandstrände beliebt, doch Kultur findet man hier an jeder Ecke. So beherbergt Valletta eine Vielzahl von Museen, Kathedralen, Parkanlagen, Palästen und Institutionen für darstellende Kunst. Europäisches Spätmittelalter, British Empire und Orient verschmelzen in Malta zu einer einmaligen Atmosphäre. Dies hat die Insel vor allem seiner langen und turbulenten Geschichte zu verdanken. Nach phönizischer, später byzantinischer und schließlich römisch-deutscher Herrschaft fiel Malta als Teil des Königreichs Spanien unter die Regierung des Habsburgers Kaiser Karl V., welcher die Insel als Lehen an den Johanniterorden übergab. Als Hafenfestung wurde Valletta bald zur Hauptstadt der Johanniter – später Malteser. Bis Napoleon sollten die Ritter des Malteserordens über den Inselstaat herrschen. Aufgrund eines maltesischen Hilfsgesuchs blockierten die Briten die Häfen der Insel und die Franzosen zogen im Jahr 1800 von der Insel ab. Das war der Beginn der britischen Herrschaft über die Insel, die bis 1947 anhielt. Bis zur Ausrufung der Republik 1974 war Queen Elizabeth Staatsoberhaupt Maltas, noch heute wird Englisch als Amtssprache gesprochen.

Die Kulturhauptstadt findet nicht nur in Valletta ihre Bühne, sondern auch auf der Insel Gozo und in weiteren Städten des Inselstaates. In Valletta selbst arbeitet man vor allem mit dem Vorhanden: der einzigartigen Altstadt mit ihren verschiedenen Einflüssen. So finden Paraden, Theater, Musik etc. vor allem im öffentlichen Raum Stadt. Insgesamt bietet Malta für Kulturinteressierte stets ein vielfältiges Programm, neben dem der Titel der Kulturhauptstadt ein wenig verloren geht. So muss genau hingesehen werden, um Hinweise darauf zu finden, dass man sich gerade in der European Capital of Culture befindet. Wer für die Kunst kam, soll aber nicht enttäuscht werden. Bereits beim Betreten der Stadt über den City Gate darf man das maltesische Parlamentsgebäude, geplant und umgesetzt durch Renzo Piano, nebst dem im Zweiten Weltkrieg zerbombten Theater, dessen Überreste zu einem Freilufttheater umfunktioniert wurden, bewundern.
Die Kunst- und Kulturszene ist ob der Größe des Inselstaates beeindruckend groß und vielfältig. So arbeitet das Arts Council of Malta als Vermittlung von Kunst und Kultur für Schulen aller Altersstufen und gleichzeitig als große Förderinstanz für junge maltesische Künstler_innen. In einem Gespräch mit der stellvertretenden Direktorin des ACM, Mary Ann Cauch, wird das vielschichtige Arbeitsfeld dieser Institution dargelegt, besonders interessant hier das Kulturvermittlungsprogramm. So unterstützt das ACM zum einen junge maltesische Künstler_innen auf ihrem Werdegang, beispielsweise durch ein Mentoringprogramm, bei welchem der Künstlernachwuchs erfahrene Kunstschaffende in ihrem Alltag begleiten und so für sich herausfinden, ob dieses Berufsfeld für sie das richtige ist.

Beeindruckend ist die Kunst- und Kulturvermittlung für Schulen. Künstler_innen bieten verschiedenste Workshops für alle Altersgruppen – vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe – an, in welchen kreative Prozesse aller Art geschaffen werden. Organisiert und vermittelt werden diese Workshops vom ACM durch Christabel Catania. Für internationale Vernetzungen des ACM zeichnet Dr. Romina Delia verantwortlich. Vor allem wird hier versucht maltesische Künstler_innen international bekannt zu machen, aber auch umgekehrt: Bewusstsein für Malta als Ort für eine lebendige Kunst- und Kulturszene zu schaffen.