Von Marleen Illmayer
Erst wenige Tage nach der Amsterdam-Exkursion begann für mich das Abenteuer Erasmus+. Völlig auf mich allein gestellt, machte ich mich auf die Reise nach Wustrow, Norddeutschland. Dabei bestieg ich in das kleinste Flugzeug, was ich in meinem Leben bisher jemals gesehen habe. Es gab nur 30 Sitzplätze insgesamt und es war nicht möglich, die Füße richtig auszustrecken. Mit ein wenig Flugangst, dass dieses Mini-Flugzeug gleich auseinanderfällt, gelangte ich doch an mein erstes Ziel – Rostock. Nach einem halben Tag hin und her zwischen Bus und Zugfahrt befand ich mich endlich in Wustrow, einer kleinen „Stadt“ an der Ostsee.
Angekommen im 4- Sterne Hotel „Dorint Strandresort & Spa Ostseebad Wustrow“, wurde ich schon herzlichst von der Personalchefin begrüßt. Nachdem ich alles ausgepackt und mich einigermaßen eingewohnt hatte, erkundete ich in den nächsten Tagen die Ortschaft.
Wustrow selbst ist ein wunderschöner Kurort, um Urlaub oder ein Praktikum zu machen. Es gibt innerhalb von Wustrow alles, was man braucht, aber auch nicht mehr. Alle wichtigen Geschäfte sind sehr schnell zu Fuß zu erreichen und die vielen, kleinen Ferienhäuser mit ihren Schilfdächern machen diese Stadt unglaublich idyllisch und charmant. Wer kein_e Freund_in von mit Massen befüllten Stränden ist, befindet sich in Wustrow am perfekten Ort.
Alle paar Meter befindet sich ein ruhiges Plätzchen, wo man sich mit Vergnügen in der prallen Sonne bräunen kann. Obwohl die Außentemperatur im Somme normalerweise nie über 20 Grad erreicht, gab es innerhalb dieser 3 Monate zwei Wochen, in der es 30 Grad und das Wasser angenehm warme 24 Grad hatte. Anfangs konnte ich mich mit dem Gedanken, nun 3 Monate völlig auf mich alleine gestellt zu sein, nicht allzu sehr anfreunden, aber dank der Telefonsessions mit meiner Familie, ging alles glatt.


Ich arbeitete insgesamt sechs Wochen im Service, fünf im Housekeeping, eine Woche in der Küche und zwei Wochen an der Rezeption, wobei es jeweils einen halben Tag Housekeeping und einen halben Tag Rezeption gab. Im Service fühlte ich mich unglaublich wohl, aber nicht weil mir die Tätigkeiten lagen, sondern wegen der warmherzigen Mitarbeiter_innen, die mich oft zum Lachen brachten.
Ich habe einiges dazu gelernt, wie zum Beispiel: Tische schnell neu decken, Besteck richtig polieren, Bestellungen aufnehmen, wie ich im Notfall mit einem unzufriedenen Gast umgehe, usw. Das Housekeeping ist, wie man sich vorstellt, nicht allzu abwechslungsreich: Es gab nämlich immer die gleiche Routine in Sachen Betten machen, Staub wischen, Spinnenweben beseitigen, Kissen gleichschütteln und Staub saugen.
In der Küche war es mir leider nicht möglich, mehr als eine Woche zu verbringen, da die Kolleg_innen durch den Mitarbeitermangel keine Zeit hatten, mir wirklich zu erklären, was ich zu tun habe. Jedoch konnte ich neue Schneidetechniken anwenden und Käse- bzw. Schinkenplatten individuell zusammenstellen. An der Rezeption fühlte ich mich wohler, da ich in Ruhe arbeiten konnte. Ich durfte die Post aufgeben, fehlende Daten der Gäste in das System eintragen und Karteikarten der Gäste alphabetisch sortieren.
Insgesamt durfte ich in jedem Bereich viele Erfahrungen sammeln und einiges dazulernen. Ich hatte jede Woche an zwei anderen Wochentagen frei, daher war die höchste Anzahl an Tagen, die ich durchgehend ohne freien Tag dazwischen arbeiten musste, sieben Tage. In meiner Freizeit hatte ich die wundervolle Möglichkeit, mich gemütlich an den Strand zu legen und zu relaxen. Da mir innerhalb dieser 3 Monate ein Fahrrad von dem Hotel zur Verfügung gestellt wurde, hatte ich damit nur 5 Minuten zum Strand.
Ich persönlich finde, dass mir dieses Praktikum unglaublich viel in den Bereichen Selbstständigkeit, Problemlösung und Kontaktfreudigkeit geholfen hat. Ich bedanke mich herzlich für die Möglichkeit, so ein tolles Praktikum an der Ostsee ausüben zu dürfen und ich würde es jedem weiterempfehlen, der selbst vorhat, im Ausland zu arbeiten.

