Von Greta Korper

Meine Reise führte mich in eine Stadt an zwei Flüssen im Südosten Frankreichs. Lyon liegt am Zusammenfluss der Rhône und der Saône, was eine besonders positive Entwicklung von der Zeit vor Christus bis in die Gegenwart bedingt. Somit sind heute 1.500.000 Lyonnaiser stolz darauf, die Metropolregion bewohnen zu dürfen. Lyon stellt als zweitgrößte Stadt Frankreichs in vielerlei Hinsicht ein Zentrum dar: Kultur, Lebensstil und Know-How werden hier großgeschrieben.
Lyon ist eine Kulturhauptstadt, da es für ein extrem vielfältiges Kultur- und Kunstangebot bekannt ist. Die Sehenswürdigkeiten reichen von römischen Amphitheatern, christlichen Kirchen bis hin zu modernen „trompe l’oeil“- Malereien, die die Fassaden der Häuser täuschend echt in Schauplätze aus Filmen oder alten Zeiten verwandeln. Die Museen der Stadt malen ein Porträt ihrer Entwicklung: Von einem wichtigen Stützpunkt während der Römerzeit, zu einem wichtigen Seidenverarbeitungszentrum während der Zeit der französischen Kaiser bis hin zum Zentrum für technologische Entwicklungen wie dem ersten Kinematographen hat Lyon immer einen unglaublichen Beitrag zur Entwicklung Frankreichs beigetragen.
Besonders wichtig ist das Know-How, das Lyon im Laufe von Jahrhunderten angesammelt hat. Da auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz kommen dürfen, wurden die Techniken der gehobenen Gastronomie hier bis zum Äußersten perfektioniert. Die Stadt war nämlich der Schaffensort des wohl bekanntesten französischen Kochs Paul Bocuse, der vor kurzem verstorben ist. Er steht für eine Küche, die mit lokalen, frischen Produkten saisonale Gerichte zaubert – ein Trend, den wir heute auch in Österreich verfolgen können. Als Wirtschaftszentrum hat Lyon eine enorm große Anzahl an Expats – also Menschen, die für ihr Unternehmen einige Jahre in der Stadt leben und dort arbeiten, obwohl sie eine andere Nationalität haben. Gerade, um diese große Gemeinschaft richtig ausbilden zu können, verfügt Lyon über ein enormes Angebot an Sprachkursen jeder Art.
Die Auswahl an Sprachschulen war dementsprechend groß und nach zahlreichen schlaflosen Nächten entschied ich mich für die Sprachschule „Lyon Bleu“, da diese einen speziellen Fokus auf Didaktik der Fremdsprachen legt. Das von mir ausgewählte Kursangebot umfasste einen Französischkurs auf C1-Niveau und drei Workshops zu Themen aus der Fachdidaktik. Im Sprachkurs wurden alle 4 Sprachkompetenzen (Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen) trainiert und aufgefrischt. Der große Vorteil war die kleine Gruppengröße: Da wir nur fünf Teilnehmer_innen waren, hatte jede_r die Möglichkeit, sich wirklich im Kurs einzubringen und davon maximal zu profitieren. In den Workshops wählte ich die Bereiche „Der aktionsorientierte Unterricht“, „Die Arbeit mit authentischen Dokumenten“ und „Der Umgang mit Unterschieden“. Hierbei gab es in jeder Einheit einen theoretischen Input, eine Diskussion und abschließend ein Anwendungsbeispiel zu bearbeiten. Außerdem hatte ich die Möglichkeit, Hospitationen in verschiedenen Sprachkursen der Schule durchzuführen, um mir viele verschiedene Lehrstile und Sprachniveaus anschauen zu können.
Abgesehen von der Sprachschule nutzte ich die Zeit noch für zusätzliche Hospitationen am „Institut de l’Oratoire“ – einer Organisation, die Volksschullehrer_innen ausbildet. Hierbei hatte ich die Möglichkeit, den Fremdsprachenunterricht im Bereich Englisch zu begleiten. Das war besonders interessant, da hier Menschen mit unterschiedlichsten Motivationen, Einstellungen und Vorerfahrungen gemeinsam unterrichtet werden. Die Organisation ist außerdem durch einen Fokus auf das Gebiet der Diversität geprägt. Hiermit bekam ich durch Gespräche mit den Kursteilnehmer_innen auch einen Einblick in ihren Umgang mit diesem Thema.


