La Biennale di Venezia – und wir mittendrin

La Biennale di Venezia – und wir mittendrin

von Laura Battisti und Jennifer Graupner

In kaum einer anderen Stadt gibt es so viele Kunstschätze auf so kleinem Raum zu finden wie in Venedig. Die Lagunenstadt liegt im Nordosten Italiens und ist die Hauptstadt der Region Venetien. Mit ihren 66.000 Einwohner_innen scheint Venedig keine Großstadt zu sein, doch der Schein trügt, denn in „Touristenspitzenzeiten“ halten sich 190.000 Menschen (inkl. Einwohner_innen) gleichzeitig in der Stadt auf. Venedig, das auch den Beinamen „La Serenissima (die Durchlauchtigste)“trägt, ist eine vom Tourismus geprägte Stadt. Überall wo man hinschaut, sieht man Touristenläden und Restaurants, welche auf die Bedürfnisse von Tourist_innen abgestimmt sind. Gerade deswegen sinkt die Einwohnerzahl von Venedig rapide. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs ist diese nämlich von 175.000 auf 55.000 Menschen gefallen. Diese Veränderung ist hauptsächlich auf den Massentourismus zu schieben, welchem die Venezianer_innen tagtäglich den Kampf ansagen. Die Hauptbeschwerde der Einwohner_innen sind die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die täglich direkt in die Lagune eindringen und nicht nur das Ökosystem der Lagune gefährden, sondern auch viele, wirtschaftlich nicht profitable Tagestourist_innen nach Venedig bringen.

Trotz allem sind Venezianer_innen unheimlich stolz auf ihre sinkende Stadt. Unheimlich stolz – und viele auch unheimlich touristenhassend. Aufgrund dessen dauert es eine Weile, die Herzen der Einheimischen zu gewinnen. Sobald diese aber merken, dass man nicht nur aufs Fischessen bei der Rialto-Brücke aus ist, ist das aber keine Schwierigkeit. Der venezianische Lebensstil gleicht dem österreichischem überhaupt nicht. Venedig scheint zwar auf den ersten Blick durch die Menschenmassen eine recht hektische Stadt zu sein, bei näherer Betrachtung bemerkt man aber schnell, dass in der Lagunenstadt alles seine Zeit braucht, es scheint manchmal so, als wäre Hektik sogar verpönt.

Hektik ist aber auch der falsche Zugang zu Venedig, denn wenn man sich Zeit lässt, gelingt es viel besser, die Lagunenstadt richtig kennenzulernen. Bei einem gemütlichen Spaziergang durch Venedig hat man die Möglichkeiten den architektonischen Meisterwerken wie dem Palazzo Grassi, der Libreria Acqua Alta, den lieblichen Gassen und natürlich auch der Ponte di Rialto den gebührenden Respekt entgegenzubringen.

Doch nicht nur aufgrund der Schönheit der Stadt ist Venedig ein Touristenhotspot, sondern auch wegen „La Biennale di Venezia“. Alle zwei Jahre findet die Kusntbiennale statt, so auch 2017. Die internationale Ausstellung bot unter dem Motto „Viva Arte Viva“ 86 Länderpavillons an, 29 davon befinden sich im Giardini della Biennale. Demzufolge gibt es nicht nur im Giardini Pavillons, sondern auch im berühmten Arsenale und in der Altstadt Venedigs. Kuratiert wurde die Biennale 2017 von der französischen Kuratorin Christine Macel, welche sich auch schon am Centre Pompidou in Paris einen Namen gemacht hat.

Zurück zu den Länderpavillons, bei denen ist natürlich der österreichische Pavillon besonders herauszuheben. Dieser stellt im Jahr 2017 zwei völlig verschiedene Künstler_innen aus: Zum einen Erwin Wurm, welcher mit seiner Ausstellung „Just about virtues and vices in general“ mit seinem weltberühmten One-Minute-Sculptures vor allem das internationale Publikum anspricht.

In „Just about Virtues and Vices in general“ geht es um den Massentourismus der 70er. Wurm kritisiert diesen mithilfe des Hauptaustellungsstückes – einem Caravan. Doch dieser Caravan ist alles außer typisch, denn es sind Löcher in ihn hineingeschnitten worden. Diese sollen darstellen, dass man nicht nur mit dem Campingwagen in ein anderes Land fahren und seine gewöhnliche Lebensweise weiterführen soll, sondern dass man auch einmal in eine andere Kultur eintauchen soll – oder im Falle des Kunstwerkes, seine Extremitäten in eine andere Kultur hineinstecken soll.

Zum anderen ist das Brigitte Kowanz, die mit ihren eindrucksvollen Lichtskulpturen unter dem Arbeitstitel „Infitnity and beyond“ eher die österreichischen Besucher_innen beeindruckte. In ihrer Ausstellung geht es um die Entwicklung der Technik, genauer gesagt des Internets. Sie übersetzt in ihren Kunstwerken Daten in Morsecodes und diese Moresecodes dann in ihre Neonlichtskulpturen.

Erwin Wurms Kunstwerke wurden, im Gegensatz zu Brigitte Kowanz Werken, im originalen „Hoffmann-Pavillon“ ausgestellt. Wie der Name schon verrät, wurde dieser nach Plänen von Josef Hoffmann, einem der Gründer der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte, gebaut. Mit seiner symmetrischen Außenfassade beeindruckt er nicht nur heute noch viele Architekturliebhaber_innen – nein – er war auch der erste Pavillon von Venedig, der von einem Vertreter der klassischen Moderne gestaltet wurde.
Für Brigitte Kowanz Werke wurde extra ein Zubau errichtet, den alle liebevoll „Light Space“ nennen. Dieser Zubau ist perfekt auf ihre Werke abgestimmt und wird nach Ende der Kunstbiennale mit großer Wahrscheinlichkeit wieder abgebaut.

In unserem Praktikum haben wir im österreichischen Pavillon gearbeitet und uns nebenbei in kleine Venzianerinnen verwandelt. Zusammen mit unserer Chefin und Mitbewohnerin Sofie Giefing haben wir sowohl den venezianischen Alltag als auch den Arbeitsalltag gemeistert. Alles in allem war dieses Praktikum eine unwahrscheinlich tolle Erfahrung, die uns beiden einfach unheimlich viel Spaß gemacht hat.

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