Ciao Italia – Ciao Tirolo – Ciao Castel

Ciao Italia – Ciao Tirolo – Ciao Castel

Von Anna Derler

Für mein dreimonatiges Pflichtpraktikum entschied ich mich, zwei Monate im Ausland zu verbringen. Da ich Südtirol von Urlauben her kannte und mir vor allem die wunderschöne Gegend rund um die Stadt Meran in Erinnerung geblieben ist, machte ich mich auf die Suche nach einem Hotel in dieser Region. Ich wurde schließlich vom familiengeführten Hotel Castel im Dorf Tirol aufgenommen und durfte mein Praktikum im Servicebereich absolvieren.
Bei meiner Ankunft wurde ich gleich von der Direktorin des Hotels sehr herzlich begrüßt. In meinem Zimmer im Mitarbeiterhaus, das nur wenige Schritte vom Hotel entfernt war, erwartete mich ein eigener Balkon mit einer atemberaubenden Sicht auf die Stadt Meran, die Mutspitze, das Etschtal und den Vinschgau. Dort lernte ich auch gleich meine Zimmernachbarin, auch eine Praktikantin, kennen. Da sie schon zwei Wochen vor mir ihr Praktikum begann, konnte sie mir bereits einiges über den Tagesablauf, die Arbeit und Kolleg_innen erzählen.

Bei dem anschließenden gemeinsamen Abendessen lernte ich auch schon die meisten meiner Kolleg_innen kennen. Ich wurde von allen sehr herzlich in das Team aufgenommen und mir war sofort klar, dass im ganzen Hotel eine sehr freundschaftliche und familiäre Atmosphäre herrschte.
Nach einem gemeinsamen Frühstück mit den anderen drei Praktikantinnen begann mein erster Arbeitstag mit einer Einschulung durch den Maître des Restaurants. Es dauerte nur ein paar Tage bis ich mich an die Abläufe gewöhnte und wusste, was wann wie zu machen war. Bei Fragen standen immer alle Kolleg_innen hilfsbereit zur Seite. Und so legte sich auch die anfängliche Nervosität und Unsicherheit ganz schnell. Im Laufe der zwei Monate konnte ich viele Erfahrungen im Servicebereich sammeln. Begrüßung der Gäste, Servieren von Aperitifs und Speisen, Arbeiten vor dem Gast am Guéridon, wie zum Beispiel das Filetieren von Fischen oder Tranchieren von Koteletts gehörten zu meinen Aufgaben beim Abendservice. Die Mehrheit der Gäste war wirklich nett, jedoch gab es immer wieder einmal Gäste, die etwas schwieriger waren. Doch im Service gilt immer: Der Gast ist König. So konnte ich auch einiges im Bereich der Gästebetreuung dazulernen.

Am Vormittag war ich entweder für das Frühstücksservice eingeteilt, verrichtete Mise en Place-Arbeiten oder war manchmal auch im Office eingeteilt, was bedeutete, dass ich auf Gästewunsch Eier für das Frühstück kochte und frische Säfte presste.
Sprachlich stand ich zu Beginn vor einer kleinen Herausforderung, da meine Kolleg_innen aus südlicheren Provinzen Italiens, Litauen, Tirol und natürlich auch aus Südtirol stammten. So entstand eine wilde Mischung aus Deutsch, Italienisch, Nord- und Südtiroler Dialekt und ein bisschen Englisch. Vor allem zum Ende meines Praktikums bemerkte ich, wie schnell man gewisse Ausdrücke in den eigenen Sprachgebrauch übernimmt, wenn man ständig von diesem Dialekt umgeben ist. Bei der Arbeit war jedoch Deutsch die vorherrschende Sprache, auch da die Mehrheit der Gäste Deutsche waren. So kam ich leider nicht oft dazu, Italienisch zu sprechen.
Als Praktikantinnen hatten wir zwei Tage in der Woche frei und so verbrachte ich meine Freizeit oft mit den anderen Praktikantinnen, mit denen ich mich sehr gut verstand. An schönen Tagen verbrachten wir den Nachmittag im Schwimmbad, für welches wir vom Hotel eine Saisonkarte bekamen, oder bei einem Eis am Dorfplatz.

Auch Nachmittage in der Stadt Meran in den Lauben und an der Passerpromenade und ein Besuch der Therme durften natürlich nicht fehlen. Wenn ich allein frei hatte, verbrachte ich viel Zeit damit, mit meinem Rad das Meraner Umland zu erkunden und die wunderschöne Gegend im Passeirer Tal, dem Vinschgau und der Etsch entlang Richtung Bozen zu genießen. Auf keinen Fall fehlen durfte auch eine Wanderung auf die knapp 2300 m hohe Mutspitze, dem Hausberg Dorf Tirols. Nach der Arbeit war das wöchentliche Pizzaessen mit den Kolleg_innen aus dem Service und der Küche schon zur Tradition geworden. Auch mit den Mitarbeiter_innen aus der Küche verstanden wir uns sehr gut und machten auch einige Ausflüge in der Umgebung.
Leider verflog die Zeit viel zu schnell und der Abschied nach diesen zwei Monaten fiel mir wirklich sehr schwer, da ich diese wunderschöne Gegend mit den Bergen, den Wein- und Obstgärten und der wunderschönen Stadt Meran und vor allem die Kolleginnen und Kollegen hier sehr ins Herz geschlossen habe. Es war wirklich eine wunderschöne Zeit mit vielen neuen und interessanten Erfahrungen und ich kann fast sagen, dass ich eine zweite Familie und Heimat gefunden habe, zu der ich immer wieder gerne zurückkommen werde.

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